Musik aus Schweizer Klöstern

Im September 2005 hat der Schweizerische Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung dem Projekt Musik aus Schweizer Klöstern des Freiburger Lehrstuhls für Musikwissenschaft unter der Leitung von Luca Zoppelli zugestimmt und ihm eine beträchtliche Summe zugesichert. In Zusammenarbeit mit der Arbeitsstelle Schweiz des RISM, der Schweizerischen Musikforschenden Gesellschaft, der Schweizerischen Landesphonothek und einem internationalen Forschungskomitee hat dieses Projekt zum Ziel, eine signifikante Zahl von musikalischen Quellen aus dem 17., 18. und 19. Jahrhundert, die sich in Schweizer Klöstern erhalten haben, zu sichten und zu untersuchen, sie in ihrem historischen und liturgischen Kontext zu deuten und schliesslich den Forschern und Interpreten zugänglich zu machen. Das Forschungsprojekt setzt sich somit zum Ziel, ein Feld, das bis anhin grösstenteils unangetastet blieb, zu erforschen und dem allgemeinen musikalischen Bewusstsein zugänglich zu machen.

Die Erforschung dieses Repertoires ist bereits sehr fortgeschritten. Davon zeugen die bis zum jetzigen Zeitpunkt publizierten kritischen Editionen ausgewählter Kompositionen. Die Arbeitsstelle Schweiz des RISM hat mit der Katalogisierung der musikalischen Bestände der Klöster Einsiedeln, Engelberg, Disentis, Müstair, Neu St. Johann, dem Chorherrenstift St. Michael in Beromünster und der Abtei der Benediktinerinnen von St. Andreas in Sarnen (Teilbestand) wesentliche Vorarbeiten in der Bereitstellung der Quellen geleistet. Dank dieser Arbeit wissen wir heute, welch imposante Menge an Manuskripten und Drucken aus dem 17., 18. und 19. Jahrhundert sich in diesen Bibliotheken verbergen. Die Erforschung und Transkription einer gewissen Anzahl von ausgewählten Werken dieses Corpus drängt sich aus mehreren Gründen auf:

  • Die Einzigartigkeit notierter Musik für eine spezielle lokale Liturgie, wie zum Beispiel die „Sanctus und Agnus angelicum”-Kompositionen, komponiert für die Hochfest der Engelweihe im Kloster Einsiedeln,
  • der Überblick über die Geschichte des Notendrucks in gewissen Zentren der Schweiz: die Opera 1 und 2 von Johannes Evangelista Schreiber (1716-1800), Ordensbruder von Sankt Urban, wurden von Hautt in Freiburg in den Jahren 1747 und 1749 publiziert und sein Opus 3 durch den Verlag des Klosters St. Gallen,
  • die Existenz von Kompositionen auswärtiger, nicht zum Kloster gehörender Komponisten mit grossem Renommee, wie beispielsweise die Messen von Hans Huber (1852-1921), die er für das Kloster Einsiedeln komponierte,
  • schliesslich sind einige Partituren unica von einzigartigem historischen und ästhetischen Wert, wie etwa die Sakralwerke von Giovanni Battista Sammartini (ca. 1700-1775), die in der Musikbibliothek des Klosters Einsiedeln fast vollständig in handschriftlichen Quellen überliefert sind.

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Die aktuelle Situation der Forschung zeichnet sich hauptsächlich durch das fast völlige Fehlen von Editionen aus. Daher ist eine der Hauptaufgaben des Projektes die Herausgabe von musikalischen Editionen. Auf der Basis des Kataloges der Arbeitsstelle Schweiz des RISM wählen die Reihenherausgeber die interessantesten musikalischen Quellen aus, die, nachdem sie nach den angemessenen philologischen Kriterien in Partiturform transkribiert wurden, analysiert, in ihren stilistischen, historischen und liturgischen Zusammenhang eingereiht und zusammen mit einer Einführung und einem kritischen Apparat publiziert werden. Die musikalischen Dokumente werden in der Publikationsreihe der Schweizerischen Musikforschenden Gesellschaft, zu jener Zeit präsidiert von Therese Bruggisser-Lanker, publiziert.

Kontakt: Claudio Bacciagaluppi

Liste der Bände

[Editionsreihe "Musik aus Schweizer Klöstern"]

Zeitungsartikel

Trésors musicaux sortis de l’ombre
La Liberté, 19 juillet 2010, p. 33