Wiederentdeckte Musikbibliothek der Familie Pult
Monday, September 7, 2026
Die 2023 wiederentdeckte Musikbibliothek der Familie Pult aus dem 18. Jahrhundert wurde kürzlich in den RISM-Katalog aufgenommen. Sie wurde beim Umbau des herrschaftlichen Familienanwesens durch Mathias Gredig und Kurt Gritsch im Engadiner Dorf Zuoz gefunden und befindet sich nun im Kulturarchiv Oberengadin, Zuoz CH-ZUkaoe. Unter den historischen musikalischen Familienbibliotheken der Schweiz ist sie hinsichtlich Umfang und Bedeutung nur mit der Sammlung von Lukas Sarasin in der Universitätsbibliothek Basel CH-Bu und der Bibliothek von Königin Hortense de Beauharnais im Schloss Arenenberg CH-AR vergleichbar. Wir möchten uns bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Kulturarchivs Oberengadin, insbesondere bei Mathias Gredig und Kurt Gritsch, für die Unterstützung und die fruchtbaren Gespräche während der Katalogisierungsarbeit herzlich bedanken.
Die meisten Quellen der Pult-Sammlung gehörten drei Familienmitgliedern: Jachem Pult (ca. 1721–1781), seinem Sohn Nicolo (1762–1832) und seiner Schwiegertochter Ursula Perini (1768–1846). Jachem war Offizier im Dienst der Niederländischen Republik und in Maastricht stationiert. Jachems Aufenthalt in den Niederlanden erklärt die Herkunft vieler der von ihm erworbenen Quellen, zu denen nicht nur Ausgaben bekannter Verlage aus Amsterdam, Paris und London gehören, sondern auch seltenere Produkte von Werkstätten im heutigen Belgien. Seine musikalischen Interessen zeichnen sich zudem durch die bemerkenswerte Anzahl an Fagottduetten und -sonaten aus, die er besass. Bereits als elfjähriger Knabe erwarb Nicolo in Neuwied anscheinend eine umfangreiche Sammlung handgeschriebener Kammermusik. In dieser Stadt gab es eine bedeutende Gemeinschaft der Herrnhuter Brüdergemeine, die auch in Graubünden grossen Einfluss hatte: Die Pults hatten offensichtlich Sympathien für die Herrnhuter. Die Musik von Ursula Perini gehört zur breiten Kategorie der „Hausmusik“: Sie umfasst mehrere Sammlungen von Strophenliedern und Klaviermusik, die möglicherweise von ihr selbst abgeschrieben wurden.
Bild: Gian-Nicola Bass, Kulturarchiv Oberengadin.
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